Schulkindergarten der Waldschule Nordhorn

 

 

Das gesamte Konzept des Schulkindergartens Waldschule liegt in der Schule vor und kann gerne eingesehen werden.

Der Schulkindergarten Waldschule ist Teil der verlässlichen Grundschule und sowohl organisatorisch als auch im Schulalltag an den Aktivitäten der Schule beteiligt. Er arbeitet in einer eigenständigen Klasse und wird von Frau Ruelmann geleitet.

 

Die Kinder besuchen den Schulkindergarten für ein Jahr, das gewährt ihnen eine an ihrer Lernentwicklung orientierte erweiterte Lernzeit.

 

 

Die pädagogische Ausrichtung

 

Der Schulkindergarten hat einen Bezug zur Pädagogik Maria Montessoris, weiß sich dieser Pädagogik verbunden, lernt, erfährt und entwickelt sich mit den Kindern immer wieder weiter. Aufgrund der spezifischen Gegebenheiten in einem Schulkindergarten kann man jedoch lediglich von einer Ausrichtung sprechen.

Montessorimaterialien sind keine Anschauungsmaterialien für die Hand des Lehrers, sondern gedacht als „Entwicklungshilfen“ für die Hand des Kindes, für den handelnden Umgang nach dem Grundsatz:

 

 

Vom Greifen zum Begreifen zur Bildung von Begriffen

 

Erzähle mir,

und ich vergesse.

Zeige mir,

und ich erinnere.

Lass es mich tun,

und ich begreife.

(Konfuzius 551-479 vor Christus)

 

Je jünger ein Kind, desto wichtiger das Tun.

(Montessori)

 

Die im Schulkindergarten vorhandenen Unterrichtsmaterialien sind klar strukturiert, bauen konsequent aufeinander auf und sind entwicklungs- und altersangemessen. Sie haben in der Regel eine Fehlerkontrolle (Förderung der Selbstständigkeit) und bieten die Möglichkeit der Wiederholung. Ein wichtiges Grundprinzip ist die Förderung der Selbstständigkeit, ausgedrückt durch den Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun!“

 

 

Grundlegend ist, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und ihr Leistungsvermögen zu festigen: „Das schaff ich schon.“ Das stärkt die Selbstwirksamkeitserwartung: „Mein Handeln hat Erfolg. Auch, wenn es nicht gleich beim ersten Versuch gelingt.“ Das beinhaltet die Fähigkeit, mit negativen Emotionen umgehen zu können, eine Anstrengungsbereitschaft zu entwickeln, die auch „Durststrecken“ überwinden hilft.

 

 

„Wenn du mit anderen ein Boot bauen willst,

schicke sie nicht Holz sammeln

und Werkzeuge besorgen,

sondern wecke in Ihnen die Sehnsucht

nach dem weiten Meer.“

(Antoine de Saint-Exupéry)

 

 

Materialien gibt es u.a. zu nachstehenden Bereichen:

  • Übungen des praktischen (täglichen) Lebens (Grob- Feinmotorik)
  • Sinnesmaterialien-/Dimensionsmaterial
  • sprachliches Material
  • mathematisches Material
  • sachunterrichtliches Material

 

 

Der Jahreskreis / jeder Tag wird durch eine Perle repräsentiert / die Erde dreht sich um die Sonne)
Grundlegend ist auch die Förderung der sozial emotionalen Kompetenz mit Elementen der Gestalt- und Erlebnispädagogik, hier, in Zusammenarbeit mit Frau Massulik

 

 

Grundlagen für die Entwicklung einer Lese- und Schreibkompetenz

 

 

Was sagst du da?

Wie nennt man das?

Wo kommen die Wörter her?

Wachsen sie auf fernen Inseln

und segeln zu uns übers Meer?

Fallen sie vom Himmel herab?

Schneidet man sie von der Rolle ab?

 

Alle Wörter erzählen Geschichten,

sie wohnen in Liedern

und in kleinen Gedichten.

(Ute Andresen)

 

 

Es hat sich bei der Arbeit mit den Kindern des (Schul-) Kindergartens herausgestellt, dass die bekannten vorschulischen Programme (z.B. das Würzburger Trainingsprogramm) zur Entwicklung phonologischer Bewusstheit zu kurz greifen.

 

 

So wurde vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Sprachentwicklungsforschung zum Schriftspracherwerb auf der Basis der Montessori-Pädagogik im Schulkindergarten der Waldschule ein eigenes Konzept entwickelt und entsprechende Materialien bereitgestellt, mit denen jedes Kind nach seinem Tempo individuell Lesen und Schreiben lernen kann. Die isolierte „Behandlung auditiver oder visueller Wahrnehmungsstörungen“ bringen keine Änderung der Probleme in der Schriftsprache, einen Lehrgang gibt es nicht.

 

 

Während man früher der Ansicht war, beim Erlernen der Schriftsprache handele es sich um „Wahrnehmungsleistungen“, weiß man heute, dass „Denkleistungen“ vollzogen werden müssen: Das Kind muss Einsichten in den Aufbau und die Funktion der Schriftsprache erwerben und den Bezug zur „Lautsprache“ erkennen. Für diese Denkleistungen brauchen Kinder unterschiedlich viel Zeit, Zuwendung, Wiederholung und Übung.

Schrift hat immer etwas mit Sinnentnahme und Kommunikation zu tun: So wird der komplexe Sachverhalt der Schriftsprache mit dem Zusammenspiel von Lauten, Buchstaben und Wörtern in für die Kinder bedeutsame Sinnzusammenhänge gestellt. Immer wieder stehen die Namen der Kinder im Mittelpunkt. Anlaute des eigenen Namens werden auf der Anlauttabelle gesucht und „Verzauberungsmöglichkeiten“ gefunden.

Im Geschichtenheft diktieren die Kinder der Lehrerin ihre Geschichten, die vor der ganzen Klasse vorgelesen werden. Es ist eine wichtige Erfahrung für Kinder, denn die anderen hören diesen Geschichten gerne zu. Das „Krokodil“ hat die Geschichten der Kinder „zum Fressen gern“ und bringt diese ins „Märchenland“, das dadurch „wieder bunt wird“. Die Kinder werden emotional berührt und erleben durch diesen ganzheitlichen Ansatz mit viel Spaß wichtige Grundlagen des Schriftspracherwerbs. Es wird für jedes Kind bedeutsam, schreiben und lesen zu lernen.

 

 

In der Sprachforschung hat es einen Paradigmenwechsel gegeben; eine völlig andere Blickrichtung darauf, wie Kinder (recht-) schreiben lernen. Es wurde u. a. erkannt, dass alle Kinder, ähnlich wie beim mündlichen Spracherwerb, auch beim Schrift-Spracherwerb bestimmte Stufen oder Entwicklungsphasen durchlaufen, wobei die Verweildauer auf einer Stufe sehr unterschiedlich sein kann. Hat ein Kind nicht lange genug Zeit, z.B. die grundlegende Einsicht in die „Phonem-Graphem-Korrespondenz“ (Laut-Buchtaben-Beziehung) zu entwickeln wird es in der nächsten Stufe „scheitern“, weil die Basis fehlt. Im übertragenen Sinne, bezogen auf das „Laufen lernen“ hieße das, als müsse man das „Tanzen vor dem „Krabbeln“ lernen. 

 

Die Entwicklungsmodelle zum Schriftspracherwerb zeigen charakteristische Lernwege von Kindern auf. Die Abfolge stellt ein Raster dar - ein hilfreiches diagnostisches Gerüst - den ungefähren Entwicklungsstand eines Kindes festzustellen und ihm auf der jeweiligen Entwicklungsstufe entsprechende Angebote zu machen. Im Sinne von mehrkanaligem Lernen erlernen die Kinder Manualzeichen, die den Erwerb der Laut- und Schriftsprache erheblich unterstützen.

Im Schulkindergarten der Waldschule stehen vielfältige Materialien (im Sinne des Konzepts) bereit, mit deren Hilfe die Kinder die genannten Kompetenzen erreichen können:

Anlautkiste mit kleinen Gegenständen und deren Wörtern zu jedem Buchstaben
Wort-Anlauttablett mit Fehlerkontrolle/Bilder/Wörter/Silben
Arbeit mit der Anlauttabelle, Turm 1, Schwierigkeitsstufe 1
Ergebnis der Arbeit mit der Anlauttabelle. (Das Radio spielt ein Lied)
O---------------------------- M ------------------- A (Visuelle Unterstützung durch Manualzeichen)
Partnerarbeit, Turm 2, Vokale: „Ein König in jede Silbe“
Partnerarbeit mit Manualzeichen, Zuordnung zu den Türmen 1 bis 3
Teilergebnis der Partnerarbeit
Übungen zur Anbahnung der richtigen Schreibtechnik
Arbeit am Computer. Hier: Herauszuhören von Anlauten, zuvor in Partnerarbeit mit den Hörkästen geübt
Lesedose2, klein / drei Abstraktionsebenen: Gegenstand-Bild-Wortsymbol
Heft vom Kind erstellt zur Lesedose 1, klein
Schreibrichtungspfeil / Silbenboote / aufgedrucktes Alphabet
Aufgedrucktes Alphabet / Gegenstände aus dem Schreibkoffer / lautgetreu / mit Plosiva
Handelnder Umgang mit den Wortartensymbolen: Artikel, Adjektiv, Nomen
Adjektive verändern das Nomen (Arbeit mit den Namen der Kinder) und haben einen bestimmten Platz im Satzgefüge:

 

 

Aufbau mathematischer Kompetenzen

 

Für einige Kinder ist der Weg in die Welt der Zahlen ein steiniger Weg. Mancher Erwachsene erinnert sich auch heute nur mit gemischten Gefühlen an den eigenen Mathematikunterricht.

Das „Begreifen“ von Zahlen mit ihren verschiedenen Aspekten stellt für viele Kinder eine große Schwierigkeit dar.

Der Zahlbegriff ist jedoch Voraussetzung dafür, mathematische Operationen überhaupt durchführen und verstehen zu können und wird von fast allen Lehrgängen für Mathematik vorausgesetzt. Bei manchen Kindern muss der Zahlbegriff  jedoch erst entwickelt werden.

 

Beispiel für Invarianz (Piaget):

 

Es sind 10 Marienkäfer und 9 Pakete/die Pakete scheinen aber "mehr" zu sein.
1:1 Zuordnung/vergleichen

Maria Montessori hat vielfältige (vor-) mathematische Materialien für das Kinderhaus und die Grundschule entwickelt. Der handelnde Umgang mit Zahlen ist für die Entwicklung des Zahlbegriffs wichtig, u. a. auch, um das Dezimalsystem zu begreifen: vom Greifen zum Be-greifen zur Bildung von Be-griffen.

Die Kinder arbeiten im pränumerischen Bereich, um grundlegende „Ordnungsprinzipien“ zu erfahren. 

Ein Erfolgserlebnis, zusammen mit dem von ihm gewählten Partner
Geometrie
Puzzle zur 1, in zwei Schwierigkeitsstufen/Planarbeit: Mäusebuch
Ziffern und Chips: Fehlerkontrolle (Planarbeit)
Überprüfung
„Die Macht der 5“, der Würfel hat nur die Ziffern 1-5, so dass mit dem roten Würfel addiert werden muss
"Die Macht der Fünf", Bündelung

Den Aufbau des Dezimalsystems handelnd erfahren:

Seguintafeln 1
Seguintafeln 2: das Kind tauscht wie im nächsten Foto ersichtlich zehn Einer gegen einen Zehner aus:
Partnerarbeit mit Zehnerzahlen, der zuvor erstellten Tabelle entnommen
Das Kind legt immer einen Einer dazu und verändert die Ziffer entsprechend. Bei 10 wird getauscht in die nächsthöhere Kategorie/den nächsthöheren Stellen wert

 

Hierarchie der Zahlen:

Keine Angst vor großen Zahlen. Die Mathematiker haben ein „tolles“ System erfunden: das Dezimalsystem. Die Kinder erfahren das Dezimalsystem im handelnden Umgang.

Wer die Zahlen 0-9 schreiben kann, „kann alle Zahlen der Welt schreiben“.

 

 

Mathematische Operationen: Subtraktionsaufgaben im handelnden Umgang